Thema Inklusion
- 2. Feb. 2017
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Wenn man sich die gesamte Diskussion und die Beiträge zum Thema "Inklusion" ansieht, dann sieht es so aus, als wolle jeder Beeinträchtigte bzw. jeder Gehandicapte aus der UN-BRK (Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen), daraus eine Art direkten Rechtsanspruch daraus abzuleiten. Welcher ihr/ihm bei seinem Defizit unmittelbar, ein Allheilmittel bzw. eine direkte Lösung anbieten könne. Es wäre schön, wenn es so funktionieren würde. Tatsache ist aber, dass jeder Beeinträchtigte seine Einschränkung mit seinen eigenen Augen sieht und dies auch so allgemein akzeptiert werden muss! Denn ob ein Gehandicapter von diesen allgemeinen Rechten aus der UN-BRK für sich selbst gebrauch machen will oder nicht, dass sei ihm wohl selbst zugestanden. Es ist ein Recht, dies impliziert das der Inhaber des Rechtes, die Wahl hat, von seinem Recht gebrauch zu machen oder nicht! Die sollte allgemen respektiert werden! Eine andere Sache ist, dass jeder körperlich oder seelisch eingeschränkte Mensch, meist selbst und auch bei gleichartigem Handicap eine doch sehr unterschiedlichen Bedarf an Hilfestellung benötigt. Man kann da nicht einfach mit dem Rasenmäher drübergehen. Wenn sich ein Mensch/eine Schülerin sich in einer Sondereinrichtung wohler fühlt, dann finde ich, ist das seine freie Entscheidung. Ich finde es anmaßend, wenn man Menschen unter ein Joch stellt und ihnen eine "unfreiwillige Inklusion" diktiert. Was hat das mit Menschenrechten zu tun? Manch eine/r scheint sich in so machchem Forum als Moralapostel für Inklusion und Menschenrecht aufzuspielen und will jedoch in Wirklichkeit jeweils nur sein eigenes Schäfchen ins Trockene bringen. Bügelt alle andere Meinung noch mit "zynisch" und mit Begriffen wie "verhöhnend" nieder. Wir sollten uns bewusst werden, dass das Thema Inklusion mit der eigenen Frage anfängt: - Was kann ich tun, damit nicht nur mein Problem gelöst wird, sondern auch das der Anderen? - Was kann ich selbst tun, damit Inklusion nicht ein politischer Kampfbegriff, sondern selbst gelebt und umgesetzt werden kann? Vielleicht hilft es auch einfach einmal eine andere Sichtweise einzunehmen, über den Tellerrand zu blicken und auch mal eine andere Meinung einfach zu akzeptieren? Die Diskussion um das Thema - Inklusion/Integration/Teilhabe - ist nicht einfach und wird durch die Verwendung des Begriffs "Inklusion" nicht einfacher. Ich habe mir deshalb erlaubt, im unteren Teil dieses Blogs die Definition des Begriffs gem. Wikipedia einzufügen.
Ich zitiere bspw. von dieser Webseite: http://www.inklusion-als-menschenrecht.de/#c395 - wie folgt: "Inklusion als Menschenrecht ist natürlich nicht nur ein Thema für Menschen mit Behinderungen. Es ist für alle Menschen wichtig, die nicht voll und gleichberechtigt an allen Bereichen der Gesellschaft teilhaben können, etwa aufgrund ihres Alters, ihrer sexuellen Orientierung, einer Behinderung, ihrer Hautfarbe, Herkunft oder ihrer Geschlechtsidentität. Und als Menschenrecht geht Inklusion alle Menschen an, nicht allein diejenigen, die ausgeschlossen sind. Denn Menschenrechte bauen darauf auf, dass jeder Mensch den anderen als Gleichen respektiert und sich deshalb solidarisch für die Rechte der anderen einsetzt. Nur wenn alle mitmachen, kann Inklusion gelingen."
Ich nehme hier z.B. eine Aussage von folgender Webseite: http://www.inklusion-schule.info/inklusion/un-konvention.html "Die UN-Konvention stellt klar: Gesellschaftliche Teilhabe ist ein Menschenrecht, das ohne Einschränkungen auch für behinderte Menschen gilt." Mir fällt hier das Wort "auch" auf, nämlich, dass die gesellschaftliche Teilhabe "auch" für behinderte Menschen, also nicht nur für solche, die Inhaber eines Schwerbehindertenausweises sind." (Quelle: http://www.inklusion-schule.info/inklusion/un-konvention.html ) Meine generelle Frage ist: Wen will man mit dem Begriff "Inklusion" erreichen? Wer ist von dem Thema betroffen? Und bei näherer Betrachtung, wenn man also mit dem Begriff Inklusion das Menschenrecht auf "gesellschaftlich Teilhabe aller Menschen" meint, dann bedarf es der Inklusion ebenfalls von folgender Menschen: - von Armut betroffene/gefährdete Menschen: "Ein Mensch der arm ist, ist in unserer Gesellschaft quasi nicht existent. Es ist fast so, als gäbe es ihn/sie nicht." (Hartz IV) - Rentner und Rentnerinnen à Zunahme an Altersarmut - Heimbewohner ältere Menschen und andere in Heimen untergebrachte - körperlich aber auch seelisch kranke und beeinträchtigte Menschen - Langzeitarbeitslose à ca. 1 Million in Deutschland (die nicht in der aktuellen Arbeitslosenstatistik erwähnt) - Obdachlose - Flüchtlinge - geschiedene Frauen und Menschen welche wegen langjähriger Familienpflege (um ihre Angehörigen) keiner Erwerbstätigkeit nachgehen konnten, etc.
Ich habe den Eindruck, dass „Inklusion“ ein Schlagwort – ja ein Modewort – geworden ist, welches man wie ein Schild zu „Werbezwecken“ hochhält. Warum ist es aber so populär? Weil es doch vermutlich immer mehr Menschen direkt oder indirekt betrifft.
Weil es immer mehr Menschen gibt, welche sich "abgehängt" fühlen.
Dies betrifft beispielsweise alle Eltern, die Kinder mit einer Leistungseinschränkung haben. Aber nicht nur diese. Wenn jedoch nicht nur dieser schulische Bereich defizitär ist, wie wirkt sich dann die „Separation“ im weiteren Leben, also nach Abschluss der Schulbildung aus? Das Thema „Inklusion“ wird nach Schulabschluss nicht beendet sein, sondern dann fangen die eigentlichen Probleme doch erst an: Wer bekommt einen Studienplatz? Wer bekommt eine entsprechende Ausbildung, und nach dieser einen Arbeitsplatz? Da kann man dann im Verlauf, feststellen dass bspw. Menschen mit seelischem Handycap, Langzeitarbeitslose, ältere qualifiziere Menschen und schließlich auch Menschen, welche einer Pflege bedürfen, genauso am Rande stehen, wie die beeinträchtigten Kinder in den Schulen. Sind allesamt davon betroffen und damit am kämpfen, sich ihre eigene "Existenz" zu sichern. Nur dass dann oft keine Eltern mehr da sind, welche sich um ihre Angehörigen/Kinder kümmern können. Deshalb handelt es sich m.E. grundsätzlich um ein gesellschaftliches Problem, weil: Behinderung, Krankheit, Pflege, … das sind Dinge die nicht so recht in unsere „moderne Lebenswelt“ zu passen scheinen. Denn unsere Welt ist zunehmend auf Leistung, Gewinn und Erfolg getrimmt. Da passt das „Schwachsein“ nicht hin. Wir müssen da unsere Prioritäten generell überdenken und zwar nach dem Motto: „Wie gehen wir in unserer – modernen – Welt mit unseren schwächeren Mitgliedern um?“ Man erkennt ja bekanntlicher Weise den Wert einer Gesellschaft, daran, wie sie mit ihren „Schwächeren“ umgeht. Und der Mensch bewegt sich erst, wenn es ihn selbst betrifft. Die Kinder haben, als starke Fürsprecher ihre Eltern, Gott-sei-Dank, wie sieht es aber mit der/dem Obdachlosen aus? wie sieht es mit der/dem Langzeitarbeitslosen Harz IV´ler aus? einer/einem psychisch Kranken, die/der unter Zwang behandelt wird? oder denjenigen, welche ohne Angehörige in einer Pflegeeinrichtung dahinvegitieren? Wenn die Eltern (welche sicher Einfluss haben und akademische Grade vorweisen können) dort schon keine Fortschritte für Ihre Kinder erreichen können, dann könnt Ihr Euch sicher annähernd ausmalen, wie es um die Menschen steht, welche sich ohne jeweilige Fürsprecher, sowieso am Rande der Gesellschaft befinden. Deshalb: „Im Leben geht es nicht darum zu warten, bis das Unwetter vorüberzieht, sondern darum zu lernen, im Regen zu tanzen.“ Wir werden vermutlich von heute auf Morgen keine wesentliche Veränderung bewirken können, da die meisten Menschen nur dann in Bewegung kommen, wenn sie das Thema „Inklusion“ unmittelbar-– und zwar selbst am eigenen Leibe – betrifft. Aber wir können bei uns selber anfangen unsere Prioritäten (positiv) anzupassen, was den Wert des einzelnen Menschen, in unserer computergesteuerten Welt, überhaupt noch, für unser Zusammenleben, an Bedeutung hat? Das betrifft nicht nur den Wert und die Position, welchen wir gegenüber unseres/en „Gehandicapten“ einnehmen, sondern generell: Wie gehen wir miteinander um, mit den Fehlern und Schwächen des Anderen und last-but-not-least, auch mit unseren eigenen Schwächen. Denn hier fängt Inklusion an ! Reden wir noch miteinander oder nur noch übereinander? Können wir uns noch gegenseitig gegenüberstehen und uns in die Augen sehen oder schreiben wir uns nur über „Whats-App“? Einen interessanten Überblick erhält man, wenn man bei der Google-Suche Folgendes eingibt: Bitte den kompletten Satz = "Menschenrecht auf gesellschaftliche Teilhabe" eingeben und die Ergebnisse durchstöbern.
In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wird der Mensch beschrieben als ein soziales, kulturelles Wesen. Demgemäß wird das Recht eines jeden Menschen auf Teilhabe am sozialen, kulturellen Leben als Menschenrecht anerkannt. ( Quelle: https://www.menschenrechtserklaerung.de/kultur-3689/ )
Definition Inklusion gemäß der UN-Behindertenrechtsvonvention: https://www.behindertenrechtskonvention.info/inklusion-3693/ Eine weitere Klarstellung zur UN-Behindertenrechtskonvention: http://www.inklusion-schule.info/inklusion/un-konvention.html
Schwerpuntthema der Bundesregierung "Inklusion": http://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Inklusion/inklusion.html;jsessionid=B22D08937F8157755CFA9D81D63DFD0A
Zur Definition des Begriffs Inklusion gem. Wikipedia:
Allgemein beschrieben: "Die Einbeziehung / den Einschluss von Menschen in die Gesellschaft" wird als Inklusion bezeichnet. Es ist ein Begriff aus einer Wissenschaft, die man "Soziologie" nennt. Gemäss N. Luhmann - Begriff der soziologischen Systemtheorie (Quelle = https://de.wikipedia.org/wiki/Inklusion_(Soziologie) : Der Begriff wurde von zwei Soziologen eingeführt, Talcott Parsons und Niklas Luhmann, der den Begriff weiterentwickelte. Grob dargestellt, wird mit dem Begriff, die Einbeziehung von Akteuren in Subsysteme beschrieben. Sinngemäß bestehe die moderne Gesellschaft aus verschiedenen Einzelsystemen, diese seien: Diverse voneinander abgegrenzten Bereiche, wie Wirtschaft, Politik, Recht, Wissenschaft, Erziehung, Kunst oder Religion. Die Partizipation an den Leistungen der einzelnen Funktionssysteme ist laut Luhmann Inklusion, die jeweils erst durch Exklusion aus anderen Funktionssystemen möglich wäre. In diese Einzel-Systeme könne man Menschen nicht integrieren, sie dürften nicht Teile davon werden, weil sie gleichzeitig an mehreren dieser Systeme partizipieren müssten, um ihre Bedürfnisse befriedigen zu können. Eine vollständige Inklusion in die Gesellschaft (aller ihrer Teilsysteme) sei nicht möglich.
Andererseits unterscheide sich der Begriff "Inklusion" hier im Zusammenhang mit der Ungleichheitsforschung (Quelle = https://de.wikipedia.org/wiki/Inklusion_(Soziologie) : Ausschnitt, wiederum aus Wikipedia = Als Reaktion auf beobachtete gesellschaftliche Exklusionstendenzen entwickelten Soziologen und im Anschluss an sie dann auch Sozialarbeitswissenschaftler normative Konzepte der sozialen Inklusion, die sich in der Begriffsverwendung stark von der bei Parsons und Luhmann unterscheiden und eine vollständige gesellschaftliche Teilhabe meinen. Stichweh stellt das in den Zusammenhang mit der französischen Sozialtheorie, beginnend mit Émile Durkheim. Dort sei Inklusion als Gelingen gesellschaftlicher Solidarität zu lesen. Eine weitere Quelle des soziologischen Inklusionsbegriffs ist der britische Theoretiker Thomas H. Marshall, mit seinem wohlfahrtsstaatlichen Konzept von citizenship. Die normative Verwendung des Begriffs Inklusion im Zusammenhang mit der aktuellen Ungleichheitsforschung verdeutlicht Martin Kronauer in Abgrenzung zu dem der Integration. Integration gehe von einer vorgegebenen Gesellschaft aus, in die integriert werden kann und soll. Inklusion dagegen erfordere vorab, dass gesellschaftliche Verhältnisse, die exkludieren, überwunden werden. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Inklusion_(Soziologie)


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