Der Notstand in der Pflege, treibt einen Keil in unsere Gesellschaft und ist Ausdruck sozialer Kälte
- 19. März 2018
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Juli 2020
Punkt 1: Es gab 2015: 2,9 Mio. Pflegebedürftige insgesamt, davon wurden 73% ( 2,08Mio) zu Hause versorgt und 27% (783.000) davon in Heimen vollstationär gepflegt. Aus dem Bericht des Statistischen Bundesamt Wiesbaden (Pflegestatistik, herausgegeben in 2017 für das Jahr 2015) Quelle s.b. unter: www.destatis.de Nachfolgende Punkte sind Ausschnitte aus dem aktuellen Heft "Der Spiegel" - Nr.5 vom 27.01.2018 - Bitte kaufen Sie dieses Heft für nähere und weitere Informationen. Punkt 2: Vier bis fünf Mio. Menschen in Deutschland versorgen Pflegebedürftige, so wird geschätzt, meistens sind dies nahe Familienangehörige. Die offizielle Statistik zählt nur 1,5 Mio. private Helfer.* Punkt 3: Dem Staat kann dies nur recht sein, denn das Engagement der Angehörigen spart dem Staat etwa 35 bis 40 Milliarden Euro im Jahr. Ohne die Familien bräche das System zusammen.* Punkt 4: Die Politik sieht sich gleichwohl nicht in der Pflicht. "Sehr viel" habe die Regierung schon getan, um pflegende Angehörige zu unterstützen, bemerkte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im vergangenen Jahr (2017) beim Besuch eines Gesundheitsforschungszentrums und zählte alle verabschiedeten Pflegegesetze auf. Zu einem echten Kernthema ihrer Politik ist die Pflege jedoch nie avanciert. In den jetzigen Koalitionsgesprächen spielt die Pflege höchstens eine Nebenrolle. Auch der SPD fehlt ein schlüssiges Konzept dafür, wie Bürgern zu helfen ist.*
Das Pflegethema treibt die Gesellschaft um, die Politik blendet es quasi aus ! Punkt 5: Bis 2050 wird sich die Zahl der Hochbetagten auf rund 10 Mio. mehr als verdoppelt haben: Die Babyboomer werden vergreisen. Weil sie aber weniger Kinder großgezogen haben, als die Generation vor ihnen, können künftig auch weniger Nachkommen die Pflege übernehmen. Was auf die Babyboomer (also die um den Jahrgang 1965 Geborenen) zukommt, ahnen die winigstens. Das ist erstaunlich, denn jeder Mensch bewegt sich unweigerlich darauf hin, dass er, wenn die Zeit gekommen ist, Unterstützung benötigt und dass jemand, der ihm nahesteht, diese Hilfe leistet. Das ist Teil des Lebens in seiner letzten Phase - doch fast alle blenden diese Tatsache aus: sowohl die kurz davor sind, gepflegt zu werden, als auch die Pflegenden selbst!*...
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*Altenpflege in Deutschland ist ein institutioneller Irrgarten, angelegt von Juristen und Ökonomen, die während der Arbeit irgendwie vergaßen, dass es die ganze Zeit um Menschen ging und darum, wie wir Deutschen in unserer überalterten Gesellschaft künftig zusammenleben wollen. ... Eigene Anmerkung hierzu: "Womöglich haben die Juristen und Ökonomen ebenso die Tatsache des Älterwerdens ausgeblendet, indem, dass sie, an vorweggenommener Demenz leidend, selbst nie alt werden, oder sie dachten, dass sie das Thema selbst nie treffen werde? Weil sie sich selbst eine 24h-Einzelpflegekraft (aus Polen), aus eigener Tasche leisten können? "Sterben tun ja bekanntlich immer die Anderen"... (Peter Ochsenbauer)
Punkt 6: Der Pflegenotstand ist eine Zerreissprobe für Familien und führt zu Generationenarmut, weil: Wer als Angehöriger pflegt landet in der Armutsfalle! (Zitat von Susanne Hallermann von "Wir pflegen", einer bundesweiten Interessenvertretung pflegender Angehöriger). Spätestens im Alter erweist es sich finanziell als Nachteil, wenn man Angehörigen gepflegt hat, statt seinem Beruf nachgegangens zu sein.* Punkt 7: Wer den Nachwuchs versorgt, erntet meist Anerkennung. Wer sich um die Eltern kümmert, dem wird bestenfalls Mitleid entgegengebracht - sofern die Söhne oder Töchter überhaupt preisgeben, was sie vor und nach Dienstschluss beschäftigt. Es ist noch immer ein Tabu, sagt der Unternehmer Ludger Osterkamp. "Normalerweise geht keiner zum Chef und sagt: Ich muss jetzt meine kranke Mutter pflegen."*
Es besteht dringendster Handlungsbedarf, weil die Pflege "Am Ende aller Kräfte" angelangt ist. *Bezugnehmend und zitiert aus "Der Spiegel" "Mamas hilflose Helfer" und "Am Ende aller Kräfte" ("Der Spiegel" Nr.5 vom 27.01.2018)
Ebenfalls bemerkenswerte Ausschnitte aus dem genannten Spiegelartikel: ... Die Blüm-Reform 1994, wegen damaligem "Pflegenotstand", beschloss eine neue "Pflegeselbstverwaltung", in welcher die Krankenkassen auch zu Pflegekassen wurden, diese handeln seither mit Heimbetreibern und Ambulanzanbietern aus, wie die Milliarden aus der soz. Pflegeversicherung zu verteilen seien. Dabei ist es geblieben, nur haben sich die internen Kräfteverhältnisse im Laufe der Zeit so verschoben, dass neben der Diakonie, Arbeiterwohlfahrt und Caritas, jetzt die rein kommerziellen Anbieter das Wort führen und erheblich mehr Mitspracherechte haben, als früher. Sie heißen Korian, Alloheim, Pro Seniore, Kursana, die alles andere als gemeinnützig arbeiten...* ...In der Praxis hat sich ein staatsseitig stark unterfinanziertes System ausgebildet, dessen Löcher die Gepflegten selbst, ihre Angehörigen und ihre Familien ständig mit frischem Geld stopfen müssen. Dieses System zwingt verantwortungsvolle Pflegeheimbetreiber dazu, jeden Cent zweimal umzudrehen oder aber Kräftig bei den Kunden hinzulangen. Alle Budget sind derart knapp "genäht", dass in manchen Heimen Windeln und Klopapierrollen rationiert werden...* ... Es ist nicht einmal übertrieben zu sagen, dass sich der Staat keineswegs wie ein gütiger Vater verhält, sondern wie ein Geizkragen, der mit der Pflege der Alten nichts zu tun haben will... Der ernüchternde Befund lautet, dass es in Deutschland nicht um den konkreten Bedarf der pflegebedürftigen Menschen gehe, sondern um die Geringhaltung der öffentlichen Ausgaben.. Wer diesen Satz zweimal liest, spürt die ganze Bitterkeit...*
... Die Pflegekassen verstehen sich als Hüter eines Haushalts, nicht als Anwalt der zu Pflegenden. Menschenfreundlichkeit ist kein wichtiger Systemfaktor, weil sie sich nicht sauber bepreisen lässt....* Es müsste ein Bruch mit dem bestehenden System erfolgen.*... Es braucht keine Reform...* Es braucht einen Neuanfang* Ein neues Pflegesystem muss sich am aufgeklärteren Menschenbild vieler europäischer Nachbarn und vor allem der Skandinavier orientieren.* ... Dass in Deutschland einem der reichsten Länder der Welt, selbst dann der Geldbeutel zugehalten wird, wenn es darum geht, den eigenen Vätern und Müttern, einen guten friedlichen, angenehmen Lebensabend zu ermöglichen, ist ein peinlicher unwürdiger Zustand. Ihn abzuschaffen gehört zum historischen Auftrag der nächsten Bundesregierung*...
*Ein überaltertes Land, das seine Alten geringschätzt, hat keine Zukunft. * "Der Spiegel" Nr.5 vom 27.01.2018 Ich habe diese Informationen dem Wortlaut aus dem Heft "Der Spiegel" Nr. 5 vom 27.01.2018 entnommen und verkürzt zusammengefasst, ohne die Sinn- und Zweckhaftigkeit zu verändern. Ich mache mir diese Inhalte nicht zu eigen, sondern verweise lediglich darauf, weil ich diese Inhalte wichtig, richtig und verbreitungswürdig ansehe. Bitte kaufen Sie, um den kompletten Inhalt zu lesen, diese Spiegelausgabe!


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