Sterben tun immer die Anderen
- 7. Mai 2022
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Samstag, den 07. Mai 2022 von Peter Ochsenbauer

Mein Onkel hat uns damals, also in den frühen 2000er Jahren schon darauf hingewiesen, dass es eine so lange Friedenszeit, nun über 70 Jahre, vor dem zweiten Weltkrieg (in Deutschland) lange nicht mehr gegeben hat. Und ja, es stimmt, dass es wohl mehr Kriegs- als Friedensjahre - insgesamt - gegeben hat, nicht nur innerhalb Deutschlands. Und trotzdem dürfen wir uns gerade jetzt, nicht an Krieg „gewöhnen“ und dies, wenn auch statistisch korrekt beobachtet, nicht mit Krieg jeglicher Art im weitesten Sinne „zufrieden geben“. Im Jahr 2010 habe ich einen Ausflug mit meiner Partnerin Jacky nach Berlin gemacht, wo wir uns auch die „Berliner Unterwelten“ angesehen haben. Das sind die Bunkeranlagen im U-Bahnbereich in Berlin aus der Zeit des zweiten Weltkrieges. An der Oberfläche, in der Nähe dieser Untergrundanlagen, da war ein Schild an der Hausmauer angebracht, auf diesem Stand geschrieben: „Sterben tun immer die Anderen“
Da war keine Erklärung zu diesem Schild dabei, deshalb musste man sich den Kontext hierzu selbst zusammenreimen. Vermutlich war es vielleicht auch ein Überbleibsel aus der Nachkriegszeit, um auf den Genozit und die Judenverfolgung aufmerksam zu machen?
Jedenfalls steht für mich fest, dass dieser Satz bemerkenswert real ist. Nämlich, dass wir uns so verhalten, als wären wir nie von einer (Kriegs-) Gefahr betroffen. Wir leben – und wir müssen wohl mit einem „Verdrängungs-Gedächtnis“ leben – um weiter unseren Alltag gestalten zu können. Sterben tun ja immer nur die Anderen. Bis, wenn wir weiter blind dem Töten zusehen, wir selbst vielleicht einmal in einen Gewehrlauf blicken? So – um Gottes Willen – hoffentlich nicht !!
Ich schreibe dies, weil ich selbst 4 Jahre bei der Polizei „gedient“ habe und wir damals in der Grundausbildung die selbe Wehrausbildung "genossen" haben, wie jene die die damalige Wehrpflicht absolvierten. Glaubt mir, dass ich einen Eindruck davon gewonnen habe, wie es sein könnte, an einer „Front“ zu stehen ! Das ist gar nicht lustig und hat mich später zu einem Pazifisten und Wehrdienstverweigerer gemacht.
Pazifismus heißt für mich nicht, die andere Wange hinzuhalten, wenn man auf die erste geschlagen wird. Pazifismus heißt für mich, dass man für den Frieden auch eine „Art von Kampf“ hinnehmen muss. Aber soweit möglich, dass man diesen „Kampf“ mit solchen Mitteln führt, dass es eben nicht zu einem vernichtenden Krieg kommen wird und kann. Wie auch immer man dies gestalten mag.
Helmut Schmidt wusste damals, dass man den russischen Atomsprengköpfen etwas „als Ausgleich“ entgegensetzen musste. Das ist in etwa so wie beim Schach. Wenn der Gegner eine Figur bedroht, muss man als Gegengewicht ebenfalls eine Figur bedrohen können. Wenn man das nicht macht, wird man von den gegnerischen Figuren überrannt und kann sich nicht mehr zur Wehr setzen. Das haben Viele damals nicht verstanden. Aber es war ein durchdachter Schachzug.
Wenn wir im Westen keine Sprengköpfe im Gegenzug zur Abrüstung gehabt hätten, was hätten wir dann im Gegenzug abrüsten können? Hätten wir dann Geldzahlungen entgegengebracht, wenn der Russe abrüstet?
Das Ende des kalten Krieges konnte herbeigeführt werden, weil man zu der Erkenntnis gelangte, dass das Wettrüsten letztlich immense Mengen an Kapital gebunden und verschlungen hat. Und dass man dieses Geld, sich beiderseits sparen und in wirtschaftlichere Dinge investieren könnte. Beide Seiten konnten jeweils ihr Arsenal - Zug um Zug - wieder abbauen und ihr Geld so anlegen, dass das eigene BIP (Brutto-Inlands-Wirtschaftsproduktion) steigen konnte. (Hätte können.) Was für eine enorme Vernichtung von Mensch und Kapital durch jegliche Art von Krieg!
Wenn man schon grundsätzlich der Überzeugung sei, dass Geld (und Macht) wichtiger, wie Leben sei, dann könne man doch logisch nachvolllziehen, dass ein Krieg schon aus "Kapitalvernichtungsgründen" komplett sinnlos ist !!!
"Sterben tun ja sowieso immer nur die Anderen." (etwas zynisch von mir angemerkt)
Wie weit will Russland noch mit seiner „Kapital- und Menschenvernichtung“ gehen? Wir können uns durch die Waffenlieferungen ja nun auch nicht mehr neutral verhalten bzw. können wir uns nun ja nicht mehr aus dem Krieg heraushalten. Wir beteiligen uns ja, wenn auch „nur“ indirekt…
Letztlich wird es keine Sieger geben. Wir werden wohl alle bei diesem, wie auch bei jedem anderen Krieg, verlieren !
Wenn wir das denen nur klar machen könnten ?!
Ganz herzlichste Grüße,
Euer Peter Ochsenbauer


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