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Thomas Hobbes *05.04.1588 - 04.12.1679

  • 7. Juli 2020
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Mai 2021

Ein englischer Mathematiker, Staatstheoretiker und Philosoph. Er wusste, dass der Mensch zu positiven Veränderungen des Zusammenlebens bereit ist. Denn die damalige Zeit war unerträglich. In seine Lebensepoche fielen u.a.: - Englisch-Spanischer Krieg (1585-1604) - Dreißigjähriger Krieg (1618-1648) - zu einer schweren Pestepedemie kam es auch in England 1665/1666 mit ca. 100.000 Toten (Große Pest von London) - Hinrichtung von König Karl I. (1649), welcher versuchte eine gleichförmige Kirchen- verfassung zwischen England und Schottland einzuführen und seine Versuche, im Sinne des Absolutismus und ohne Parlament zu regieren, führten zum englischen Bürgerkrieg und zu seiner eigenen Hinrichtung. Und zur zeitweisen Abschaffung der Monarchie in England. Man muss diese Hintergründe wissen, um seine Stattstheorien zu verstehen. Von einer Art "Naturzustand" des Menschen sei auszugehen, bei welchem sich der Mensch unter seinesgleichen wie "ein Wolf" verhielte. Damit beschrieb er die Lebensverhältnisse ohne Regierung, ohne Gesetz und ohne Richter. Somit müsse jeder mit Angst, um seine Existenz sichernd, ständig sein eigenes Leben verteidigend, seine Mitmenschen bekämpfen und töten müsste. Eben zum Zweck, das eigene Überleben zu sichern. Als Lösung für dieses Problem entwickelte er eine Art staatsvertragliche Theorie, welche er in seinem Buch "Leviathan" veröffentlichte: Die Menschen sollten freiwillig und unwiderruflich ihr Selbstbestimmungs- und Selbstverteidigungsrecht an den Staat (Leviathan) abgeben. Als Gegenleistung schützt der Souverän (Staat) die Menschen voreinander. Die Menschen schliessen den Vertrag untereinander. Der Staat wäre kein Vertragspartner. Es gäbe auch kein Kündigungs- und Widerstandsrecht gegen den Staat. Hobbes hatte sich anonym für den König und somit gegen das Unterhaus eingesetzt. Ich vermute, dass dies auch in gewisser Weise sein Überleben sicherte. Aber er erfuhr deswegen auch mächtig Kritik.


Als Staatstheoretiker rechnet man ihn dem Absolutismus zu und viele autoritäre Regierungssysteme mit absoluten Alleinherrschern sehen in seiner Theorie eine Rechtfertigung für ihre eigenen autoritären Systeme. Als Philosph wird Hobbes der Aufklärung zugerechnet, weil er für wissenschaftliches rationales Denken eintrat. Ohne dieses Wissen war ich zunächst überrascht, dass Hobbes den Menschen eine Vernunft zusprach. Also dass er den Menschen und sein Verhalten nicht ausschliesslich negative Eigenschaften zusprach. Indem er den Menschen zugestand, aus Vernunftgründen vom "gegenseitigem Bekämpfen" abzusehen und unter bestimmten Bedingungen die Fähigkeit zugestand, friedlich miteinander leben zu können. Es ist etwas enttäuschend, dass er den Menschen nur unter den genannten Bedingungen - Selbstaufgabe der Verteidigung und Aufgabe ihrer Selbsbestimmung sowie die Übertragung der Regulierungsbefugnis an den Staat (welcher zwar zum Wohle aller agieren sollte), eine Fähigkeit zum friedlichen Zusammenleben, eingestand. Stichwort hier: "Aufgeben der Freiheit des Bürgers zugunsten einer überwachenden Sicherheit durch den Staat". Hobbes hätte sich sicher ungläubig die Augen gerieben, wenn er demokratische Staaten, wie Deutschland, Österreich oder die Schweiz heute hätte sehen können. Oder ob er sich in heutiger Zeit dennoch eher für das chinesische Staatssystem, welches seinen Staatstheorien wohl zunehmend entspräche, entschieden hätte? Als aufklärerischer Denker aber wohl kaum.


Man muss ihm die Umstände, als "Kind seiner Zeit" (die oben genannten Ereignisse zu seinen Lebzeiten) wohl zu Gute halten. Dass er diese Staatstheorie (in dieser Form) entwickelte, ist für mich ein Indiz dafür, wie furchtbar, gnadenlos und höllenartig die damalige Zeit wohl war. Schade dass er wohl kein positiveres Menschenbild wahrnehmen konnte. Wie schlimm (nach meinem eigenen Verständnis) dieses Misstrauen gegenüber seiner eigenen Spezies (Mensch) war, wurde mir erst bewusst, als ich mich näher mit Thomas Hobbes, im Rahmen eines Erstsemesters bei der Fernuniversität Hagen (Studiengang: Verwaltungswissenschaften, Soziologie und Politik - WS 2018/19), beschäftigte. Nach meinem Menschenverständnis ist der Mensch, so brachial er auch sein kann, ein denkendes Wesen, welches sich mit Neugier und mittels einem bestimmten Maß an "Bequemlichkeit", neue Horizonte, Erfindungen und Möglichkeiten erschliesst.


Dass er (der Mensch), an einer friedlichen Coexistenz unter Seinesgleichen, nicht eben unter Zwang, sondern auf der Basis demokratischer und gleichwertiger freiheitlicher Menschenrechte, nicht nur interessiert, sondern hierzu mit Sicherheit ebenso fähig ist, steht für mich ausser Zweifel. Wenn alle Autokraten für Ihre Kriege, keine Männer (Väter) in den Krieg und somit in den Tod senden könnten und den Krieg, also quasi unter sich selbst ausmachen müssten, gäbe es keine Kriege mehr. Die Staatstheorie, dass Menschen freiwillig ihre Freiheit komplett aufgeben, um Sicherheit zu erlangen, kann insofern nicht aufgehen. In Freiheit und unter der Möglichkeit gleichwertiger Rechte leben zu können, ist ein sehr hohes Gut, welches wir weiterhin schätzen und ausbauen müssen. Auch deshalb ist unser Land attraktiv, weil die Menschen welche zu uns kommen, an unsere "Menschlickeit" (in Form von Demokratie) fest glauben. Denn wir wissen unsere demokratische Freiheit zu schätzen! Man kann Sie uns nur unter Zwang nehmen. Freiwillig (wie Hobbes glaubte), geben wir diese nicht auf, weil wir nicht nur denkend sind, sondern ebenso wissen, dass der Mensch unter freiheitlichen Bedingungen auch zur Vernunft und Demokratie fähig ist. Diese Freiheit, diese Menschenrechte, diese Demokratie. Dafür haben unsere Mütter und Väter lange und schwer gekämpft. Lasst uns diese nicht und von Niemanden wegnehmen! "Denken bzw. Nachdenken ist oft "mühsam" und schwer, deshalb urteilen die Menschen sehr schnell, aber es lohnt sich, sich die Dinge konkret vor Augen zu führen, Hintergründe zu erfassen und zu versuchen, den/ die Eine/n oder den/die Andere/n so zu verstehen, als sähe man mit dessen eigenen Augen." Deshalb auch der Diskurs hier mit Thomas Hobbes. Es dient dem Frieden, wenn man versucht, das Denken der "Anderen" zu verstehen. Peter Ochsenbauer



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